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Klientenzentrierte Psychotherapie nach Carl Rogers
Grundhaltungen in der Gesprächsführung nach C. Rogers

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Die Grundhaltungen in der Gesprächsführung nach Carl R. Rogers

 

1.     KONGRUENZ

 

Kongruenz bedeutet im Idealfall, dass ich mir vollständig dessen bewusst bin, was ich im Augenblick gerade erlebe. Wenn ich angespannt bin, erlebe ich meine Anspannung. Wenn ich traurig bin, erlebe ich meine Trauer.  

Das Wahrnehmen von Kongruenz im Alltag erfolgt intuitiv und ist allgegenwärtig. Wir spüren meist sehr genau, ob eine Person das was sie sagt auch wirklich meint oder ob sie etwas vortäuscht.

Einen Menschen, den wir als kongruent erleben, erkennen wir auf allen Ebenen seines Seins als den gleichen:

·        in seinem organischen Erleben von Gefühlen (Anspannung, Ärger, Trauer, Schwäche, Stärke, Zärtlichkeit, Verlegenheit, Begeisterung…)

·        in seinem Bewusstsein (er weiß: Ich bin jetzt traurig oder verlegen etc.)

·        in seinem körperlichen Ausdruck (er zeigt sich traurig, schwach, begeistert etc.)

·        in seinem sprachlichen Ausdruck

Im Normalfall ist es oft nicht möglich, alle Gefühle spontan zum Ausdruck zu bringen. In diesem Fall ist die Sprache oft ein wertvolles Hilfsmittel. Wenn ich unendlich traurig bin, kann ich bspw. sagen: „Ich könnte in einem Meer von Tränen ertrinken.“

In diesem Punkt unterscheiden wir uns vom Tier. Wenn wir einen Hund reizen, wird er letztlich zubeißen und bringt damit zum Ausdruck, dass er aggressiv ist. Als Menschen können wir nicht alle Gefühle spontan zum Ausdruck bringen, aber wir können die authentische Gefühlsqualität zumindest im Selbstgespräch kommentieren (bspw. „Jetzt muss ich den Raum verlassen, sonst werde ich noch handgreiflich.“) und zu einem späteren Zeitpunkt, wenn die heftigsten Gefühle abgeklungen sind darüber reden oder augenblicklich sagen, welche Gefühle ich habe. (Bspw. „Was du jetzt gesagt hast, das verletzt mich zutiefst.“)

Bei manchen Menschen erkennen wir, dass sie eine Fassade haben und wissen, dass sie dahinter etwas verbergen. Das kann ihre eigene Unsicherheit sein oder sie führen etwas gegen uns im Schilde. Das macht uns misstrauisch und Misstrauen ist in der Gesprächsführung nicht hilfreich. – Einem kongruenten Menschen kann ich vertrauen.

 

 2. AKZEPTANZ

Akzeptanz ist die bedingungslose positive Zuwendung zu einem Menschen, die keine persönliche Belohnung fordert. Das Gegenüber erfährt eine warme Anteilnahme, die nicht Besitz ergreifend ist. Atmosphärisch erleben wir Akzeptanz als „angenommen werden“, „geliebt werden“, „gehalten werden“.

Akzeptanz ist bedingungslos. D. h., wir wenden uns einer Person zu, ohne dass sie so sein oder reagieren muss, wie wir es gerne hätten. Menschen, die bedingungslos akzeptiert werden, befinden sich in einem „wertungsfreien Raum“. Ich denke und sage nicht: „Ich begleite dich, wenn du deinen bevorstehenden Tod akzeptierst“, sondern ich denke: „Ich akzeptiere, dass du noch meilenweit davon entfernt bist, deine Krankheit wahrhaben zu wollen.“

Im Idealfall findet ein hilfreiches Gespräch in einem Klima statt, das von einem gleichmäßig starken Gefühl des Akzeptiertwerdens gekennzeichnet ist, gleichgültig, ob ich wütend oder traurig bin, gleichgültig, ob ich sogenannte ‚positive’ oder ‚negative’ Gefühle habe.

Ich werde so akzeptiert, wie ich bin, als ein einmaliger Mensch, so einmalig wie mein Fingerabdruck. Ich werde als selbstständiger Mensch akzeptiert, dem es erlaubt ist, eigene Empfindungen und Erlebnisse zu haben und ihnen meine eigene Bedeutung zu geben.

Die für mich beste Metapher für Akzeptanz ist die Sonne. Die Sonne scheint immer auf uns, egal ob wir unsere Suppe ausgelöffelt haben oder nicht, ob wir fröhlich oder wütend sind. Die Sonne entzieht mir nicht ihre Strahlen, was immer ich auch tue.

In einem Klima der Akzeptanz kann sich mein Gesprächspartner öffnen. Er braucht sich nicht vor mir schützen. Er kann Gefühle zulassen. Er kann zeigen, wie er sich momentan fühlt.

3.     EMPATHIE

 

Empathisch sein, bedeutet sich in das Gegenüber einfühlen zu können. Ich kann die private / persönliche Welt dieses Menschen erspüren, als wäre es meine eigene, ohne jedoch zu vergessen, dass es dennoch nicht meine Welt ist. Diese Wahrnehmung wird oft als „Als-Ob“-Wahrnehmung bezeichnet. Ich kann mir vorstellen, wie verzweifelt das Kind war, als sein Vater von den Soldaten verhaftet wurde, aber ich bin nicht das Kind.

Wenn ich mich in die persönliche Welt meines Gesprächspartners begeben kann, kann ich Wahrnehmungen verbalisieren, die mein Gegenüber auch hat, sie aber kaum selbst wahrnimmt und schon gar nicht artikulieren kann. „Wenn man so verzweifelt ist, wird einem alles gleichgültig, auch der Partner und sogar die eigenen Kinder.“ - „Ja genau!“ oder „woher wissen sie das?“ hört man dann oft als Antwort.

Die Empathie des Begleiters drückt sich großteils in seiner Stimme aus. Wenn ich traurig bin, dann erwarte ich von meinem Gesprächspartner eine ruhige, gedämpfte Stimme. Wenn ich fröhlich bin, erwarte ich, dass mein Gegenüber mitschwingt und sich mit mir freut.

In der Sterbebegleitung relativieren sich viele Dinge. Die kranken Menschen freuen sich in dieser Lebensphase über anderes als wir. Ein guter Blutwert kann da schon ein Anlass für Freude sein. Da ist es wichtig, sich mit zu freuen. Es ist aber nicht sinnvoll, die Oma dazu bringen zu wollen, dass sie noch zum Maturaball der Enkelin mitgeht und sich in ein freudiges Getümmel stürzt, wenn sie nicht will. Um vom Leben Abschied nehmen zu können, ist es sogar notwendig, die Freuden Stück für Stück loszulassen und von niemandem in diesem langsamen Abschiedsprozess behindert zu werden. Fehlende Empathie ist oft schwerer zu ertragen als der Tod selbst.

Quellenhinweis: Carl R. Rogers, Entwicklung der Persönlichkeit, Klett-Cotta, 5. Aufl. 1985

Seminarunterlage:

© Dr. Herta Scheucher, Psychologin, Psychotherapeutin, Supervisorin, Rudolf-List-Gasse 45, 8010 Graz, Tel.:0316/ 46 38 74

 

 

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