Psychosomatik - Krebs

* Morbus Crohn
* Colitis Ulcerosa
* Krebs

Typenlehre: Grossarth - Maticek
Krebstheorien nach Ken Wilber

Psychotherapie für krebskranke Menschen

Psychische Unterstützung kann den Schaden subjektiver Erklärungsmodelle zur Krebsentstehung verringern

Buchbesprechung: "Der Krebsüberwinder", Greg Anderson
Buchbesprechung: "Leben ist, wenn man trotzdem lacht", Anja Forbriger
Buchbesprechung: "Bis zuletzt die Liebe", Hans Jellouschek
Buchbesprechung: "Das Orangenmädchen" , Jostein Gaarder

Text: Zuversicht und Angstmanagement für krebskranke Menschen ---> Meldung:

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Die Typenlehre von Grossarth-Maticek

Vorauszuschicken ist, dass Typologien Konstrukte sind, die differenzierende Vergleiche erlauben und auch dann nützlich sind, wenn keine einzige Person in der Wirklichkeit diesen Typen entspräche.
Diese Typologie „bringt Wechselfälle der Selbstregulation und bezogenen Individuation in den Blick, die sowohl für Krankheitsentwicklung als auch für Krankheitsverhütung relevant sind.“

Typ I
Menschen dieses Typs sind bei der Befriedigung und Aktivierung solcher Bedürfnisse und Antriebe gehemmt, die sie selbst und wichtige andere als selbstsüchtig und eigennützig empfinden und bewerten. Z.B., sich frei von Druck entspannen und regenerieren; über sich selbst zu bestimmen und seine eigenen Wege zu gehen; sich gegen wichtige andere abgrenzen und durchsetzen.
Nach ihrer eigenen Bewertung wäre das ein Verrat, ein Versagen, eine Abkehr von Menschen oder Zielen, an deren Anerkennung und Erreichung ihnen alles gelegen ist. Um solchen Erwartungen gerecht zu werden, nehmen sie vieles in Kauf.
Dabei verzweifeln sie, verlieren alle Hoffnung oder werden hyperaktiv bis zur Erschöpfung. Nach innen sind sie leblos und gestresst, nach außen harmonisierend, verständnisvoll, überfleißig und überbesorgt. Damit dämmen sie Angst ein, verhindern aber nicht ihre chronische Überlastung.
„Alles, was negativ bewertet wird – und dazu rechnet nun alles als aggressiv, kritisierend oder egoistisch wahrgenommenes Verhalten – bleibt im inneren Parlament unberücksichtigt, wird nicht gewürdigt, hat keine Stimme, wird in den Untergrund verbannt.“
Sein Verhalten ist durch Harminisierenwollen gekennzeichnet.

Typ II

Ihm fällt es leicht Aggression und Frustration zu zeigen. Er findet immer wieder Ziele für Attacken und Beschwerden. Das gibt kurzfristig ein Gefühl von Stärke. Sie sind aber auch nicht erfolgreich bei der Veränderung ihrer Lebenslage und es bleibt bei hilfloser Erregung. Das macht Angst und verstärkt wieder die Erregung. In diesem Parlament wird nur die kämpferische Fraktion zugelassen, die Missstände anprangert. Die Fraktion hingegen, die sich um Verständnis bemüht, die entgegenkommen und verstehen möchte, wird in den Untergrund verbannt.

Typ III
Personen dieses Typs haben es mit einem inneren Parlament zu tun, in dem es zu häufigen heftigen Fehden kommt, ohne dass eine Fraktion auf Dauer dominiert. Nach außen wirken sie oft zerrissen. Nach innen große Reibungsverluste. Im längeren Zeitverlauf erscheinen sie immer wieder von gegensätzlichen Antrieben und Zielen beherrscht. Dabei bricht oft Angst durch. Phasen von Hemmung und hilfloser Erregung wechseln sich ab. Die inneren Konflikte geben auch zu äußeren Konflikten Anlass: Man projiziert die eingene, jedoch sichnicht zu eigen gemachte Gewinn- und Machtsucht auf andere, rekrutiert diese anderen gleichsam als Projektions- und Austragungsorte der eigenen Binnenkonflikte, bekämpft so die negative innere Konfliktpartei in diesen, riskiert dadurch jedoch das Auseinanderbrechen bestehender und unter Umständen existenziell wichtiger Beziehungen. Das Verhalten mutet neurotisch oder psychotisch an, ist dem Überleben durch seine Flexibilität jedoch nicht abträglich. In Beziehungen schlägt das Pendel häufig zwischen Nähe und Distanz um. Das Leben kann phasenweise exzessiv und dann wieder asketisch gestaltet sein.

Typ IV
Hier lässt sich von einem dauerhaft funktionierenden inneren Parlament und von einer gelingenden Außenvertretung sprechen. Sie vermögen einerseits, eine große Palette unterschiedlicher Gefühle und Bedürfnisse zuzulassen und auszudrücken, und vermögen andererseits zu lernen, wie sich diese Bedürfnisse auch unter veränderten Lebens- und Beziehungsbedingungen befriedigen lassen. Sie lernen aus Versuch und Irrtum. Sie können Nähe und Distanz auf Dauer erfolgreich regulieren. Sie schaffen immer wieder aktiv die Bedingungen, unter denen sich ihr Organismus, soweit dies möglich ist, von selbst zu regulieren vermag. Sie können sich ein Wohlbefinden verschaffen, das ihrer Selbstregulation zugute kommt.
Das bedeutet nicht, dass es diesem Typ immer gut geht. Aber wenn Probleme auftreten, wie etwa Depressionen oder Ängste, wissen sie sich selbst aktiv zu helfen.

Typ V
Menschen dieses Typs versuchen ebenfalls Ambivalenz und Konflikte zu vermeiden. Dazu verklären sie Rationalität. Sie sind hochgradig vernunft- und prinzipiengesteuert. Dennoch berechen von Zeit zu Zeit bestimmte Bedürfnisse und Gefühle durch. Im inneren Parlament herrscht die Regierungspartei lange Zeit sehr vernünftig, bis sie plötzlich durch Attentate der aus dem Gefühlsuntergrund operierenden Oppositionspartei erschüttert wird. Darauf folgen Angst und hilflose Erregung. Immer höhere Dosen Antidepressiva und schließlich Selbstmordversuche können die Folge sein.

Typ VI
Menschen dieses Typs erinnern an ein chaotisch dahinwurstelndes und korruptes inneres Parlament. Bestimmte Bedürfnisse und Antriebssysteme setzen sich darin immer wieder unbekümmert und das „Gemeinwohl“, das heißt, ohne Rücksicht auf mögliche negative Konsequenzen sowohl für das eigene Überleben als auch für das Befinden der Mitmenschen durch. Normen und Spielregeln fehlen. Asoziales, wie auch süchtiges Verhalten kann auftreten und ergibt eine auf Selbstdestruktion abzielende Mischung.
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Krebstheorien nach Ken Wilber

Der amerikanische Autor Ken Wilber* hält fünf subjektive Denkmuster für typisch:

  • Ökologische Krankheitstheorien: Schädliche Umwelteinflüsse (Umweltgifte, Erdstrahlen, Wasseradern) werden als Verursacher angenommen. Heilung erwartet man von entsprechenden Gegenmaßnahmen.
  • Esoterische Krankheitstheorien: Als Ursache der Erkrankung wird „negatives Denken“ angenommen. Zur Heilung muss demnach positives Denken aktiviert werden.
  • Religiöse Krankheitstheorien: a) Krankheit wird als Strafe Gottes gesehen. Buße und Umkehr werden als Gegenstrategien betrachtet.
    b) Eine unerklärliche Fügung Gottes hat zur Krankheit geführt. Ziel ist daher nicht die Bekämpfung der Krankheit, sondern das Annehmen des göttlichen Willens.
  • Medizinische Krankheitstheorien: Die Krankheit wird auf bio-physikalische Ursachen zurückgeführt. Schulmedizinische (Strahlen- u. Chemotherapie, Operation) oder koplementärmedizinische Maßnahmen entsprechen diesem Denkmuster.
  • Psychosomatische Krankheitstheorien: Hierher gehören alle Theorien, die als Ursache der Krebserkrankung eine seelische Verletzung annehmen. Der Krebs wird hier als Symptom für ein anderes – seelisches – Leiden gesehen. Hierher gehören a) frühkindliche Frustrationen aber auch spätere, unbewältigte Schocks und Traumata oder b) krankmachende Einflüsse dysfunktionaler sozialer Systeme (v.a. von Familie oder Partnerschaft).  

* Ken Wilber, Mut und Gnade. Scherz-Verlag, 1992, zitiert in: Hans Jellouschek, Bis zuletzt die Liebe. Als Paar im Schatten einer tödlichen Krankheit. Verlag Herder, Freiburg i.B. 2002
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Psychotherapie für krebskranke Menschen

„Wie mobilisiert man die Selbstheilungskräfte des Patienten zur Unterstützung seines Behandlungsprogramms?“[1], das ist die zentrale Frage, die sich der Psychoonkologe Lawrence LeShan stellt. Der heutige biopsychosoziale Ansatz legt uns nahe, dass alle Bereiche des menschlichen Lebens, seine physischen, psychischen und geistigen Bereiche, sowie seine Beziehungen und seine Umgebung zu beachten sind. Keiner dieser Aspekte kann ungestraft vernachlässigt werden.

Damit ein Behandlungsansatz voll zur Wirkung kommen kann, sehe ich mich als Psychologin und Psychotherapeutin aufgerufen die Erlebenswelt des erkrankten Menschen – eingebettet in sein berufliches, privates und familiäres Umfeld sowie seine Einstellung zur Krankheit, zur Behandlung und zu den behandelnden ÄrztInnen – so genau wie möglich zu erfassen, um zu erkennen, wie seine vorhandenen Ressourcen zur Heilung und Selbstheilung am besten zu mobilisieren sind.

Das Auseinanderdriften von Medizin und Psychologie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts lässt sich für LeShan zwar gut erklären, aber er sieht auch die Nachteile, die es für die PatientInnen brachte. Bevor es die modernen Techniken, wie biochemische Untersuchungen, Röntgenaufnahmen oder Computertomographie gab, war der Arzt gezwungen, den PatientInnen sehr genau zuzuhören um über ihre Erzählungen herauszubekommen, was ihnen fehlt. Heute kommt die Rolle des Zuhörers vor allem den PsychoonkologInnen zu.

Die Stärken der Klientenzentrierten Psychotherapie

Die Klientenzentrierte Psychotherapie, umgangssprachlich als Gesprächstherapie bezeichnet, steht auf drei Säulen, der Empathie im Umgang mit den KlientInnen, der Akzeptanz ihrer Person und der Kongruenz des Behandlers selbst.

Empathisch sein, bedeutet sich in das Gegenüber einfühlen zu können. Ich kann die private / persönliche Welt dieses Menschen erspüren, als wäre es meine eigene, ohne jedoch zu vergessen, dass es dennoch nicht meine Welt ist. Diese Wahrnehmung wird oft als „Als-Ob“-Wahrnehmung bezeichnet. Ich kann mir vorstellen, wie verzweifelt mein Klient war, als ihm die Diagnose Krebs übermittelt wurde, aber ich bin nicht in seiner Lage. Wenn ich mich einfühlend in die persönliche Welt meines Gesprächspartners begeben kann, kann ich Wahrnehmungen verbalisieren, die mein Gegenüber auch hat, sie aber kaum selbst wahrnimmt und schon gar nicht artikulieren kann.

Akzeptanz ist die bedingungslose positive Zuwendung zu einem Menschen, die keine persönliche Belohnung fordert. Das Gegenüber erfährt eine warme Anteilnahme, die nicht Besitz ergreifend ist. Atmosphärisch erleben wir Akzeptanz als „angenommen werden“, „ich darf so sein wie ich bin“, „gehalten werden“, „jemand ist für mich da“.

Kongruenz bedeutet im Idealfall, dass sich der Therapeut / die Therapeutin  vollständig dessen bewusst ist, was er /sie im Augenblick gerade erlebt. Wenn er / sie angespannt ist, erlebt er / sie die Anspannung. Wenn er / sie traurig ist, erlebt er / sie die Trauer. Das Wahrnehmen von Kongruenz im Alltag erfolgt intuitiv und ist allgegenwärtig. Wir spüren meist sehr genau, ob eine Person das was sie sagt auch wirklich meint oder ob sie etwas vortäuscht. Kranke Menschen in der Beratungssituation sind besonders sensibel für echte oder vorgetäuschte Anteilnahme.

Die Klientenzentrierte Psychotherapie hat keine Charakterlehre und keine Psychopathologie im Hintergrund. Sie sagt nichts darüber aus, wie die KlientInnen zu sein haben, damit man sie als „gesund“ einstufen kann. Die Theorie der Klientenzentrierten Psychotherapie sagt lediglich etwas darüber aus, wie sich die TherapeutInnen, bzw. die BeraterInnen zu verhalten haben.

Der Vorteil dieses Ansatzes besteht darin, dass die KlientInnen sich selbst im Idealfall in einem Klima entdecken und erkennen können, das keine Wertungen über ihre Gefühle, Bewertungen und Handlungen kennt. Die Person fühlt sich angenommen, so wie sie ist. In diesem Klima kann sie sich von einer Person, die starr und distanziert gegenüber ihren eigenen Erfahrungen ist zu einem Menschen wandeln, der seine eigenen Gefühle wahrnimmt, ernst nimmt, versteht und ausdrückt. Die Person, die sich selbst anfangs mit Verständnislosigkeit und Selbstkritik begegnet war, wandelt sich zu einem Menschen, der für sich Verständnis hat und für seine Bedürfnisse eintritt.

Die Stärken der systemischen Familientherapie

Die systemische Familientherapie hat ebenso, wie die Klientenzentrierte Psychotherapie keine Persönlichkeitstheorie und keine Psychopathologie, sondern eine Kommunikationstheorie im Hintergrund. Hier geht es vor allem darum, wie ein Mensch mit sich und seiner Umwelt kommuniziert. Wer hat welche Position in der Kommunikation, wer hat welchen Stellenwert, welche Macht etc.? Welche Auswirkungen hat eine bestimmte Handlung auf andere Mitglieder des Systems?

Für Familien, in denen eine Person an Krebs erkrankt ist,  stellt sich bspw. die Frage, wie standen die Familienmitglieder vor der Erkrankung zu einander in Beziehung und was hat sich verändert, als die Erkrankung dazu kam. Nicht selten kommt bei dieser Art der Befragung zum Vorschein, dass die Beziehung schon lange vorher nicht mehr tragfähig war und manchmal verändert sich durch die Erkrankung etwas zum Positiven, manchmal wird das Unerträgliche noch deutlicher sichtbar.

Die Stärken der Hypnotherapie

Die Hypnotherapie hat vor allem den Umgang der Person mit sich selbst zum Inhalt und bemüht sich um effizientere Strategien im Sinne der selbst gewählten Zielerreichung. In der Krebsbehandlung geht es hier vor allem um die Aktivierung der Selbstheilungskräfte, die Stärkung des Selbstvertrauens und des Vertrauens in die Welt und die Behandlung. Erreicht wird dieses Ziel dadurch, dass in ausführlichen Explorationsgesprächen die aktiven, vergessenen, verschütteten oder verdrängten Ressourcen einer Person ausfindig gemacht werden und so in Suggestionen eingebettet werden, dass sie längerfristig als Autosuggestionen wirksam werden können.

In der Hypnotherapie verändert sich die Gehirnaktivität: Die linke Hemisphäre wird gehemmt, während die rechte aktiver wird, die Aufmerksamkeit wird fokussiert, Schmerzen treten in den Hintergrund, Wundheilungen erfolgen rascher, erhöhter Blutdruck sinkt, das Immunsystem wird aktiviert, Alltagsprobleme können besser gelöst werden. Diese und andere Wirkungen sind wissenschaftlich vielfach nachgewiesen worden.

Die hypnotherapeutischen Sprachmuster haben den Vorteil, dass völlig unbemerkt Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht und Zukunftspläne aktiviert werden können. Das ist bei KrebspatientInnen besonders wichtig, weil die Diagnose selbst schon so negativ besetzt ist und oft noch mit dem sicheren Tod assoziiert wird. Jedes falsche Wort verstärkt die Todesangst und untergräbt die Zuversicht. Ängstliche, traumatisierte und misstrauische Menschen können ihre Selbstheilungskräfte nur mangelhaft aktivieren, wodurch die Kooperation mit dem medizinischen Team behindert wird. PatientInnen, die voller Hoffnung sind, dass sie zu den soundso viel Prozent derer gehören, die wieder gesund werden, die darauf Vertrauen, dass ihr Arzt die beste Behandlungsstrategie ausgewählt hat, werden sich durch größere Compliance auszeichnen. Manche SchmerzpatientInnen erleben in der hypnotherapeutischen Sitzung wohltuende Ausnahmen von einem sonst von Schmerzen gepeinigten Leben.

Alle drei Behandlungsmethoden (Klientenzentrierte Psychotherapie, Systemische Familientherapie und Hypnotherapie) sind ganz und gar auf die Ressourcen des Menschen, auf seine gesunden Anteile fokussiert.


[1] LeShan, Lawrende, Diagnose Krebs. Wendepunkt und Neubeginn. Klett-Cotta, Stuttgart 1993, S. 9

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Psychische Unterstützung kann den Schaden subjektiver Erklärungsmodelle zur  Krebsentstehung verringern

Dr. Herta Scheucher

Jeder weiß heute, dass Spitzensportler von höchst qualifizierten Sportpsychologen unterstützt und motiviert werden, damit sie um genau jene Hunderstel Sekunde schneller sind, die ihnen zum Sieg verhilft. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, dem Sieger deshalb „Schwäche“ oder gar „Verrücktheit“ vorzuwerfen. Das Gegenteil wäre eher der Fall: Wenn jemand sich weigert alles für seine Höchstleistung zu tun, müsste man ihn für verrückt halten

Warum sehen das so viele im Zusammenhang mit Krebs anders? Krebsbehandlungen, wie Chemotherapie oder Strahlentherapie durchzustehen, ist für viele Menschen genau so anstrengend, wie eine sportliche Spitzenleistung.

Dennoch fragen manche, wenn man ihnen empfiehlt, psychische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ob man sie für verrückt hält. Ein wesentlicher Grund für die Inanspruchnahme einer Psychotherapie bei Krebs ist die eigene Erklärung, die sich PatientInnen geben, warum oder warum gerade sie krank geworden sind. Jede dieser Erklärungen hat Folgen für das seelische Gleichgewicht und ist mehr oder weniger effizient für den Heilungsprozess.

Der amerikanische Autor Ken Wilber* hält fünf subjektive Denkmuster für typisch:

  • Ökologische Krankheitstheorien: Schädliche Umwelteinflüsse (Umweltgifte, Erdstrahlen, Wasseradern) werden als Verursacher angenommen. Heilung erwartet man von entsprechenden Gegenmaßnahmen.
  • Esoterische Krankheitstheorien: Als Ursache der Erkrankung wird „negatives Denken“ angenommen. Zur Heilung muss demnach positives Denken aktiviert werden.
  • Religiöse Krankheitstheorien: a) Krankheit wird als Strafe Gottes gesehen. Buße und Umkehr werden als Gegenstrategien betrachtet.
    b) Eine unerklärliche Fügung Gottes hat zur Krankheit geführt. Ziel ist daher nicht die Bekämpfung der Krankheit, sondern das Annehmen des göttlichen Willens.
  • Medizinische Krankheitstheorien: Die Krankheit wird auf bio-physikalische Ursachen zurückgeführt. Schulmedizinische (Strahlen- u. Chemotherapie, Operation) oder koplementärmedizinische Maßnahmen entsprechen diesem Denkmuster.
  • Psychosomatische Krankheitstheorien: Hierher gehören alle Theorien, die als Ursache der Krebserkrankung eine seelische Verletzung annehmen. Der Krebs wird hier als Symptom für ein anderes – seelisches – Leiden gesehen. Hierher gehören a) frühkindliche Frustrationen aber auch spätere, unbewältigte Schocks und Traumata oder b) krankmachende Einflüsse dysfunktionaler sozialer Systeme (v.a. von Familie oder Partnerschaft).

Diese Denkmuster haben nichts mit wissenschaftlichen Theorien im eigentlichen Sinn zu tun. Es leuchtet aber ein, dass es Unterschiede in der Kooperation mit dem Ärzteteam gibt, je nachdem, welche subjektive Theorie der Krankheitsentstehung man hat.

Psychologische oder psychotherapeutische Gespräche können hier Klarheit schaffen und den Organismus unterstützen, genau die Methode anzunehmen, die als notwendige Behandlung vorgesehen ist. Dysfunktionale Theorien erschweren die Kooperation. Mit Schuldfragen und Ursachenforschung stellt sich der/die Patient/in selbst ein Bein auf seinem Lebensweg.

Neue Fragen müssen gestellt werden: „Wozu fordert mich die Erkrankung heraus?“ „Welche ungelebten Wünsche und Sehnsüchte wollen noch verwirklicht werden?“ „Welche vermiedenen Entwicklungen drängen sich auf?“

© Dr. Herta Scheucher, Rudolf-List-Gasse 45, 8010 Graz, Tel. & Fax: 0316/46 38 74 


* Ken Wilber, Mut und Gnade. Scherz-Verlag, 1992, zitiert in: Hans Jellouschek, Bis zuletzt die Liebe. Als Paar im Schatten einer tödlichen Krankheit. Verlag Herder, Freiburg i.B. 2002

 

 

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