Betreuung nach Überfällen für Post- und Bankangestellte sowie sonstige Überfallsopfer

* Akutbehandlung
* Behandlung chronischer Symptome (Traumatherapie)

Bewältigung von Extremereignissen - Traumabewältigung für Überfallsopfer

  •             Wann  und wo kann es zu Extremereignissen kommen?
  •             Die „normale“ Reaktionsweise.
  •             Krankhafte Bewältigungsstrategien.
  •             Professionelle Hilfe: Debriefing und EMDR
  •             Bewahrung der Humanressourcen

... immer und überall.

Wir wissen heute, dass jeder Mensch, in allen Lebenslagen, sei es bei der Arbeit, im Urlaub oder zu Hause in ein Extremereignis involviert werden kann. Zur Erinnerung einige Schlagzeilen in den letzten Monate: Flugzeugabsturz im Wohngebiet, Zugsunglücke, Gasexplosion im Mietshaus, Discothekenbrand, Seilbahnunglück, Geiselnahme im Fernurlaub, Amokläufer, unzählige Auto- und Arbeitsunfälle, Bank- und Postüberfälle, Überfälle auf Kassierer/-innen etc. etc. Diese Auflistung soll zeigen, dass es tatsächlich keinen sicheren Ort gibt, an dem man vor Extremereignissen geschützt wäre, auch nicht zu Hause unter der Bettdecke.

Was passiert, wenn „es“ passiert?

Mit Extremereignissen sind jene Vorfälle gemeint, die dem Menschen die Endlichkeit seines irdischen Daseins völlig unerwartet und oft in grausamer Weise vor Augen führen. Extremereignisse - in der Fachsprache „Traumata“ oder traumatische bzw. traumatisierende Ereignisse genannt - sind Vorfälle, in denen das eigene Leben oder die körperliche Unversehrtheit in Gefahr ist oder das Leben und die Unversehrtheit anderer, nahestehender Personen. Die Gefahrensituation kann entweder „nur“ bewusstseinsmssig erfasst werden oder / und körperlich erlebt werden, durch tätlichen Angriff, Verletzungen, Geiselnahme etc.

Die gefühlsmässige Erschütterung ist eine normale menschliche Reaktion in einer unnormalen Situation.

... und danach?

Auf Extremereignisse reagieren die meisten Menschen ähnlich: Die Erschütterung verfolgt sie noch weiter und stellt viele Annahmen in Bezug auf das Leben, das Vertrauen zu den Mitmenschen und insbesondere auch in Bezug auf den Beruf in Frage, wenn der traumatische Zwischenfall sich im Rahmen der Berufsausübung ereignet. Das sind normale Reaktionen und sollten „von der Zeit geheilt“ werden.

Der Körper tut was er tun muss ...

·      Übererregung, Schlaflosigkeit, Hyperaktivität, Ängstlichkeit und Besorgtheit,
Ungeduld, Aggressivität, Rückzug und / oder Anklammerungsverhalten gegenüber den
Bezugspersonen.

·      Menschen werden von Erinnerungen an das Trauma immer wieder eingeholt, auch wenn sie sich nicht daran erinnern möchten: Tagsüber in „Flash Backs“, nachts in Albträumen.

·      Um dem Schmerz zu entgehen, versuchen betroffene Personen häufig, sich unempflindlich zu machen, um nicht mehr an den Schrecken der Katastrophe erinnert zu werden. Der Pferdefuß an dieser Methode ist, dass sich die Person dadurch auch unempfindlich macht für das Schöne im Leben. Das Schöne aber ist Nahrung für die Seele, die für eine wirkliche Heilung der seelischen Wunden benötigt wird.

·      Das Überleben rückt in den Vordergrund. Physische und psychische Leistungsfähigkeit lassen nach. Der Leistungsabfall kann zu schwerwiegenden Konsequenzen im Beruf führen (Krankenstände, Kündigung etc.).

All diese Reaktionen sind Versuche des Organismus, das Erlebte zu verarbeiten. Der Körper tut sein Bestes um das Geschehene zu bewältigen. Klingen diese Symptome nicht innerhalb von zwei Wochen ab, sondern überlagern längerfristig die Gedanken und Vorstellungen des Betroffenen, dann kann sich eine  posttraumatische Belastungsstörung mit Krankheitswert entwickeln („post“ bedeutet nach bzw. hinterher).
Schwer traumatisierte Menschen unterscheiden häufig zwischen einem Leben „vor“ und „nach“ dem Extremereignis. Oft sind sie existenziell verunsichert und stellen ihre bisherigen Überzeugungen von „Normalität“, „Ordnung“ und „Kontrollierbarkeit von Vorkommnissen“ in Frage. Je schneller diesen Menschen geholfen wird, umso weniger wahrscheinlich ist die Chronifizierung der spontanen Abwehrreaktionen und die Entstehung einer krankheitswertigen posttraumatischen Belastungsstörung.

Rasche Hilfe

Die beste Spontanhilfe nach einem Überfall ist sicher, das Sofortgespräch oder Entlastungsgespräch innerhalb weniger Stunden nach dem schwerwiegenden Ereignis. In allen größeren Betrieben, in denen die Mitarbeiter mit viel Geld umgehen müssen, sollte das Unternehmen mit einer überdurchnittlichen Gefährdung der Mitarbeiter rechnen. Vorgesetzte oder vom Dienstgeber beauftragte Personen sollen innerhalb kurzer Zeit für Sofortgespräche zur Verfügung stehen.  Der Person, die das Entlastungsgespräch führt, muss dabei klar sein, dass jeder Geldbetrag ersetzbar ist, nicht aber das Menschenleben.

Im Familiensystem können auch Angehörige hilfreich sein, sofern sie den Blick für die positive Seite des negativen Ereignisses offen halten können, nämlich dafür, dass der / die Angehörige noch Glück im Unglück hatte und mit dem Leben davongekommen ist. Wenn Familienangehörige selbst durch die Katastrophenmeldung oder deren Schilderung traumatisiert sind, sind sie gewöhnlich keine Stütze mehr für den unmittelbar Betroffenen.

Professionelle Hilfe bei „normaler“ Bewältigung

Wenn die oben genannten Reaktionen nach zwei bis vier Wochen nicht weg sind  oder nicht von Woche zu Woche abnehmen oder wenn sie sich zu schon vorher vorhandenen psychischen oder somatischen Krankheiten dazugesellen, oder  in der Familien niemand  gelassen zuhören kann, soll dringend professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.

Debriefing

Professionelle Traumabewältigung in den ersten Wochen nach dem Extremereignis in Form eines Debriefings ist keine Psychotherapie und keine psychiatrische Behandlung. Im Debriefing spannt der professionelle Gesprächspartner quasi einen Bogen zwischen dem letzten erinnerlichen Ereignis vor dem Trauma und dem ersten erinnerlichen Ereignis, das das Ende des Zwischenfalles signalisiert. Die Vorkommnisse, die während dem Extremereignis abgelaufen sind, seien es Fakten, Gedanken oder Emotionen werden möglichst exakt wieder in Erinnerung gerufen, um vom Gehirn und dem Gesamtorganismus besser verarbeitet zu werden

Ein zweiter wichtiger Teil des Debriefings ist die fachliche Information über Traumafolgen sowie über inadäquate Selbstbehandlungsmethoden, wie Verdrängung, Vermeidung, Alkohol- und Medikamentenkonsum etc. Zur besseren Integration des Ereignisses regt der Debriefer ein Ritual an, das der / die Betroffene zwischen dem ersten und zweiten Debriefing durchzuführen hat. Dieses Ritual kann der Entlastung von Schuldgefühlen dienen oder ein Ausdruck des Dankes sein, dass man überlebt hat oder der Unterstützung anderer Menschen gewidmet sein, die weniger Glück hatten. Der Debriefer läßt dem zu Debriefenden dabei vollkommene Freiheit.

Zwischen den beiden Debriefings (4 - 6 Wochen) muss der Debriefer ständig erreichbar sein. Das gibt der traumatisierten Person Sicherheit. Im zweiten Debriefing wird das Ritual nachbesprochen, die erfolgreichen Bewältigungsstrategien werden gemeinsam noch einmal in Erinnerung gerufen, sowie auch die kontraproduktiven Verhaltensweisen der traumatisierten Personen ohne Vorwurf aber mit ungeschminkter Betrachtung ihrer negativen Folgen besprochen. In vielen Fällen sind diese beiden Debriefing-Sitzungen, die zeitlich jeweils unbegrenzt sein müssen, ausreichend um damit eine gute Bewältigung des Traumas zu erzielen.

Wenn mehrere Personen dieselbe traumatisierende Situation erlebt haben, wie etwa bei einem Überfall oder bei einem Feuerwehr- oder Polizeieinsatz, kann ein Gruppen-Debriefing durchgeführt werden. Gruppen-Debriefings müssen von mindestens zwei Debriefern geleitet werden, wobei nicht mehr als drei zu debriefende Personen auf einen Debriefer kommen sollen. Der inhaltliche Ablauf des Debriefings bleibt gleich.

Professionelle Hilfe bei „krankhafter“ Bewältigung: EMDR

Sollten weder das Sofortgespräch, noch das Debriefing erfolgreich sein und die posttraumatischen Belastungsreaktionen anhalten oder erst zu einem späteren Zeitpunkt erkennbar werden, gibt es im Rahmen psychotherapeutischer Bewältigungsstrategien einige Hilfestellungen, wie etwa die EMDR-Methode (Eyemovement Desensitization and Reprocessing). Übersetzt etwa: „Desensibilisierung und Neuverarbeitung mit Augenbewegungen“.

EMDR ist eine in den USA entwickelte Kurzzeittherapie für traumatisierte Menschen, bei der es keine Rolle spielt, wie lange das Trauma zurück liegt. „Die Amerikaner“ sind berühmt dafür, Lösungen zu suchen und anzuwenden, auch wenn sie sich nicht erklären können, wie die Wirkung zustande kommt. So ist es auch beim EMDR. Dem europäischen Weg entspricht eher die langwierige, analytische Vergangenheitsbewältigung mit guter wissenschaftlicher Begründung.

Die EMDR-Methode kann daher auch nur unter dem Aspekt erklärt werden, dass man vorausschickt, dass über die Funktionsweise des Gehirns so wenig bekannt ist, dass keine sicheren Aussagen getroffen werden können, warum EMDR wirkt. Eine Erklärung lautet, dass das traumatische Ereignis das biochemische Gleichgewicht des Informationsverarbeitungssystems zum Entgleisen bringt. Diese biochemische Entgleisung blockiere das Informationsverarbeitungssystem bei seinem Streben nach einer adaptiven Lösung. Statt dessen scheinen Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken und Sinngebungen, die von diesem Ereignis herrühren, regelrecht im Nervensystem „steckengeblieben“ zu sein.

Durch schnelle, rhythmische Augenbewegungen, die in der EMDR-Behandlung von der traumatisierten Person gefordert werden, könnte der Informationsverarbeitsungsprozess beschleunigt und deblockiert werden.

Eine weitere Hypothese besagt, dass die rhythmischen Augenbewegungen die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften verbessert und dadurch die „steckengebliebene“ Information zu verarbeiten hilft. Auf zusätzliche Erklärungsmodelle einzugehen, würde den Rahmen dieser Kurzinformation sprengen.

Bewahrung der Humanressourcen

Zahlreiche Firmen legen großen Wert auf die Bewahrung ihrer Humanressourcen. Sie schaffen daher für Mitarbeiter/-innen, die im Rahmen ihrer Berufsausübung traumatisiert wurden, die Möglichkeit, die oben beschriebenen Methoden für die Bewältigung von psychischen Traumata in Anspruch zu nehmen. Sie handeln damit sowohl im Sinne ihrer Mitarbeiter/-innen als auch im Sinnes des jeweiligen Unternehmenszieles.

Damit betroffene Mitarbeiter/-innen das Angebot der Firma auch tatsächlich annehmen, ist es wünschenswert, dass die Firma die Behandlung während der Dienstzeit ermöglicht, da falsch verstandene Sparsamkeit der Mitarbeiter/-innen sonst mittelfristig zum Verlust der (vollen) Arbeitsfähigkeit führen kann.

Nach den Ergebnissen von vier Effektivitätsstudien lag die Erfolgsquote (verschwinden des Posttraumatischen Streßsyndroms) nach  drei EMDR -Behandlungen (á 90 Minuten) zwischen 84 und 90 %. So gesehen ist diese Methode nicht nur für die Betroffenen effizient, sondern auch für die Auftraggeber bzw. Arbeitgeber, die für anfallende Kosten aufkommen.

 

 

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